Überblick über Kirche am Ort "KiamO"

Jeden Abend, wenn sich die Mönche zur Andacht niederließen, pflegte die Katze des Abtes herumzustreunen und sie beim Beten abzulenken. Also ließ er die Katze während der Gebetszeit anbinden. Die Jahre vergingen. Schließlich starb der Abt und bekam einen Nachfolger. Dieser hielt sich streng an die Tradition, dass während der Abendandacht die Katze angebunden wurde. Als schließlich auch die Katze starb, wurde eine neue Katze angeschafft, um sie während der Abendandacht anbinden zu können. Jahrhunderte später schreiben die Mönche dieses Klosters gelehrte Abhandlungen, warum eine angebundene Katze unverzichtbar für die Abendandacht sei, und dass ohne sie auch in Zukunft niemals gebetet werden könne.
(frei nach Anthony de Mello, Die Katze des Guru, in: Warum der Vogel singt, Freiburg 1984, 52)

Legen Sie 3 Ihnen wichtige Dinge vor sich, die Sie in Ihrer Tasche haben.
Welche Dinge davon haben Sie vor 20 Jahren noch nicht bei sich gehabt?
Stecken Sie diese wieder ein – was bleibt – was fehlt Ihnen, wenn Sie es nicht hätten?

Vor 20 Jahren wurden die meisten Mitteilungen noch per Brief geschrieben – heute hat fast jeder einen E-Mail-Account.

Vor 40 Jahren standen nur Jungen als Ministranten am Altar – heute sind es fast nur Mädchen.

Vor 55 Jahren wurden die Gottesdienste noch ausschließlich in Latein gefeiert – heute feiern die Katholiken ihre Gottesdienste weltweit in ihrer Landessprache.

Vor 60 Jahren hatte noch nicht jeder Haushalt einen Telefonanschluss – heute ist fast jeder über zwei Telefonnummern erreichbar: Festnetz und Handy.

Früher saßen Frauen und Männer getrennt in den Kirchenbänken – links und rechts – heute sitzen alle „buntgemischt“

Wer kann sich ein Leben ohne …. Farbfernsehen, Computer, Flugzeug, Auto, Fahrrad vorstellen?
Wer hat alles ein Handy, Computer, Spülmaschine, Waschmaschine, Farbfernseher, Roboter-Staubsauger?
Warum lassen wir uns auf Neuerungen ein?

 

Warum machen wir die Dinge so, wie wir es tun?
Was wäre, wenn wir da gezielt drüber nachdenken und es in Frage stellen?
Wir müssen nur einmal nachdenken „was veränderte sich durch technischen Fortschritt in den letzten 10-20 Jahren in meinem Alltag?“

Neuerungen entstehen durch Umdenken, Neudenken, Reflektieren des Bisherigen. Einzelne haben Ideen, probieren aus, setzen um und bringen es in die Masse. Nicht jeder neue Gedanke ist erfolgreich aber vieles gelingt.

Wenn etwas Neues erfunden oder ausprobiert wird dann
- erwartet man etwas
- vertraut man darauf
- muss man vielleicht etwas „lassen
- darf ich wertschätzen – das was war und das was ist

Auch in Kirche und Gemeinde ist es immer wieder Zeit zum Umdenken, Neudenken, ausprobieren. Unser Bischof Gebhard Fürst und die Diözesan-Leitung haben zu einem diözesanweiten Entwicklungsprozess aufgerufen: Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten.

Diesen Entwicklungsprozess sollen die einzelnen Seelsorgeeinheiten mit Leben füllen, mit ihren Ideen umsetzen, denken und ausprobieren. Kirche am Ort kann ein neues Gesicht bekommen – Kirche an vielen Orten ringsherum, an Orten, wo man sie gar nicht vermutet kann neu wahrgenommen, entwickelt und gestaltet werden.

In diesen Prozess sind wir in unserer Seelsorgeeinheit Strohgäu im April 2017 mit einem Prozessteam eingestiegen. Einen kurzen Artikel dazu finden Sie auch in den Weihnachtspfarrbriefen.
Auch als Gemeinde möchten wir Sie in diesem Prozess mitnehmen, denn Sie sind Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten.
In der nächsten Zeit werden uns diese vier Hocker mit den Haltungen Erwarten – Vertrauen – Lassen – Wertschätzen hier in der Kirche (und im Gemeindezentrum) begleiten. Diese Hocker sind beweglich und stabil. Sie dürfen damit „spielen“.
Die Hocker dürfen immer wieder wo anders stehen. Sie dürfen gelesen und besetzt werden. Und sie dürfen auch mit Ihren Gedanken beschrieben werden.

Ein Jesus-Hocker und der Hocker unseres Kirchenpatrons runden diese Sitzhockersammlung ab – in unseren Gedanken und Überlegungen sollen die Grundlagen unseres Glaubens nicht außer Acht gelassen sein.

Das Prozessteam lädt Sie herzlich ein, diesen Wandlungs-Prozess mit zu gestalten.

 

Früher hat der Priester mit dem Rücken zur Gemeinde Gottesdienst gefeiert – heute wendet er sich den Gläubigen zu. Wir als Gemeinde sind ihm und Gott zugewandt.

Wenn wir jetzt gleich aus der Kirche hinaus gehen drehen wir uns um, wenden uns anderem und anderen zu.
Wir haben jetzt hier als Christen gemeinsam Gottesdienst gefeiert.

Sind wir auch außerhalb dieser vier Wände, außerhalb der gemeinsamen Gottesdienstfeier Christen? Woran kann man das erkennen? Woran können andere das erkennen? Möchte ich, dass andere das erkennen? Bleibe ich Christ, auch wenn ich hinaus gehe? Da, wo ich bin, bin ich Christ – jede und jeder einzelne ist gesandt, ist beauftragt. Das ist es auch, was wir im Segen von Gott mit auf den Weg bekommen:
Geht hinaus in alle Welt, verkündet das Reich Gottes – seid auch draußen erkennbare Christen.

Wir wenden uns um, schauen nach draußen, gehen nach draußen, üben einen Blickwechsel und sind damit dann auch Kirche an vielen Orten, die es neu zu beleben gilt.

 

Ihr KiamO-Prozessteam Seelsorgeeinheit Strohgäu

(Maria Beer, Ria Herczig-Dittrich, Alexandra Lenz, Michael Ott, Beate Reichert-Scholl, Luise Schadt, Lioba Stehmer, Merten Schrempp, Regina Wiendahl)

 

 

Weitere Informationen erhalten Sie auch auf www.kirche-am-ort.de!